1945 – Demokratischer Neuanfang an der Mainschleife

Historische Nachforschungen zum Thema von Dr. Ute Feuerbach

Ute Feuerbach, 9.09.2020

Die Einschulung des Geburtsjahrgangs 1938/1939 im Herbst 1945 stand noch ganz unter dem Eindruck des

Kriegsendes. Noch wurde nach Geschlecht getrennt unterrichtet.

Die Bildungspolitik war ein wichtiges Thema zwischen der eingesetzten bayerischen Regierung und dem amerikanischen

Besatzer. Entschieden wurde jedoch in der Praxis vor Ort. Gegen den Einsatz von Lehrerinnen aus dem Konvent der Dillinger Franziskanerinnen für die Mädchenklasse des Einschulungsjahrgangs 1945 gab es in Volkach zunächst keinen Widerspruch. Da die

Schülerinnen entsprechend des Lehrplanes aus dem Jahres 1926 unterrichtet wurden, war die Erfahrung der Lehrerin Sr. M. Benedicta gefragt, zumal die NS-Lehrerschaft erst ein Entnazifizierungsverfahren durchlaufen musste. Schulbücher wie die Lesefibeln wurden einfach von den Geschwistern übernommen. Schulranzen oder gar Schultüten finden sich auf dem Klassenfoto nicht, vermutlich auch, weil der Fotograf zu einem späteren Zeitpunkt die Aufnahme machte. Auch wenn die Mädchen fröhlich in die Kamera schauen, war für sie die Einschulung eher ein ernster Moment. Dass sie ihr bestes Kleid und vor allem Schuhe trugen, war ihnen noch lange in bester Erinnerung geblieben.


Ute Feuerbach: 1945- Wie sah es mit dem demokratischen Neuanfang

an der Mainschleife aus

in: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2020, Seite 167-196.


Zur Schulpolitik im bayerischen Franken:

Sibylle Deffner: Die Nachkriegswirren im bayerischen Volksschulwesen 1945-1954 unter besonderer Berücksichtigung der

amerikanischen Re-educationsbemühungen. Diss. Erlangen-Nürnberg 2001

https://d-nb.info/971626863/34 (abgerufen am 9. September 2020)

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